Wissenschaftler, Arzt und Glutathion-Preisträger

Über 30 Jahre lang war PD Dr. med. habil. Gerhard Ohlenschläger in Lehre und Forschung tätig. Stets war sein großes Interesse für Naturphilosophie eine wichtige Grundlage seiner Tätigkeit. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte lagen auf folgenden Themen:

  • Biologische Krebsforschung
  • Grenzgebiete zwischen Biochemie/Biophysik einerseits und Medizin andererseits
  • Biophysik und Biochemie der freien Radikale

Seine besondere Aufmerksamkeit galt den Oxidations- und Reduktionsmechanismen im menschlichen Körper. Diese dienen unter anderem lebensnotwendigen Entgiftungsprozessen. Aus seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ergab sich auch die Erforschung des zentralen Moleküls Glutathion. Dr. Ohlenschläger untersuchte jahrzehntelang detailliert die Bedeutung des Glutathion-Redoxsystems für die Vorbeugung und Therapie verschiedenster Erkrankungen – unter anderem von Krebs-Erkrankungen. Die Ergebnisse seiner Forschung waren die Grundlage entscheidender neuer Therapie-Ansätze. Etliche seiner medizinisch-therapeutischen Entwicklungen um den Wirkstoff Glutathion wurden patentiert.


Philosophischer und naturwissenschaftlicher Horizont

Dr. Ohlenschläger wurde am 26. August 1930 in Frankfurt am Main geboren. Kindheit, Jugend und Gymnasialzeit verbrachte er in Königstein im Taunus. Nach dem Abitur widmete er sich zunächst dem Studium der Philosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Prägend war hier sein Kontakt zur sogenannten „Frankfurter Schule“: Zu Ohlenschlägers Professoren gehörten weltberühmte Soziologen und Philosophen, unter anderen Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas.

Zusätzlich zu seiner philosophischen Bildung widmete sich Ohlenschläger der Medizin. Auch dieses Fach studierte er an der Goethe-Universität in Frankfurt, wo er im Jahr 1958 das medizinische Staatsexamen ablegte. Nach seiner Approbation zum Arzt und der Promotion zum Dr. med. (1960) war er 15 Jahre als Arzt am Krankenbett in verschiedenen Kliniken tätig. Erstaunlich ist die Bandbreite der Fachdisziplinen, die er dabei abdeckte: Innere Medizin, Chirurgie, Labormedizin, Serologie (Diagnose von Krankheiten durch Untersuchung des Blutserums), Frauenheilkunde und Orthopädie. Daß er gleich in drei Disziplinen Facharzt-Abschlüsse absolvierte (1965 Facharzt für Innere Medizin, 1967 Facharzt für Labormedizin, 1967 Facharzt für Chirurgie), belegt, wie intensiv er sich in die unterschiedlichen Fachgebiete einarbeitete. 1966 schloss er seine Habilitation ab. Mit der Venia Legendi wurde ihm im gleichen Jahr die universitäre Lehrerlaubnis verliehen. Bald danach widmete er sich zusätzlich dem Studium der Biochemie.

Mehr als 30 Jahre war PD Dr. med. habil. Gerhard Ohlenschläger am Gustav Embden-Zentrum für Biologische Chemie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main in Lehre und Forschung tätig. Neben Medizin-Studenten bildete er auch Angehörige der medizinischen Hilfsberufe, Medizinisch-technische Assistenten, Krankenschwestern, Krankenpfleger und Heilpraktiker aus. Zu seinen Fachgebieten zählten unter anderem Biochemie, Pathobiochemie, Molekulare Biologie und Klinisch-chemische Analytik.

Charakteristisch war Dr. Ohlenschlägers Interdisziplinarität – er vereinte streng naturwissenschaftliche mit philosophischen, schulmedizinische mit naturheilkundlichen Aspekten zu einem beeindruckenden, schlüssigen Ganzen. Dies spiegelte sich auch in seinem persönlichen Umfeld wider. Sein geistiger Weggefährte und guter, fast väterlicher Freund war Prof. Friedrich Dessauer, Chef des Max-Planck-Institutes für Biophysik in Frankfurt am Main. Lange Jahre pflegte er einen intensiven philosophischen Gedankenaustausch mit seinem Patenonkel Prof. Gustav Siewerth, der bis in die frühen 1960er Jahre an verschiedenen deutschen Hochschulen Philosophie und Pädagogik lehrte.

Der weite fachliche Horizont Dr. Ohlenschlägers zeigte sich in den vielfältigen Themen seiner internationalen Vorträge und wissenschaftlichen Arbeiten. Sie fanden und finden weltweit Interesse und Anerkennung. Dr. Ohlenschläger referierte bzw. publizierte unter anderem über freie Radikale, oxidativen Streß, Sauerstoff-Therapien, orthomolekulare Therapien (Nahrungsergänzung mit Mikronährstoffen), Onkologie, unterstützende Krebs-Therapien, Fatigue-Behandlung, Biochemie, Pathobiochemie, Biophysik, Biophotonen-Effekte, Homöopathie, Homotoxikologie, Naturheilkunde und Naturphilosophie. Berühmt waren seine Vorträge auf der Medizinischen Woche in Baden-Baden und in Freudenstadt.

Bei aller Interdisziplinarität und Internationalität blieb Dr. Ohlenschläger ein Wissenschaftler im klassischen Sinne. Seine primären Anliegen waren nicht etwa persönliche Anerkennung, Renommee oder hochdotierte Positionen. Vielmehr war es ihm wichtig, sichere Erkenntnisse zu gewinnen, Wissenschaftlern und Praktikern eine fundierte Ausbildung zu geben und nicht zuletzt neue, verantwortliche, medizinische Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Auf seinen Verdiensten in diesen Bereichen beruht sein hohes Ansehen. In einem Vortrag zum 65. Geburtstag Dr. Ohlenschlägers sagte der bekannte Biophotonen-Forscher Prof. Dr. Fritz Albert Popp:

„Was ich am meisten bei Ihnen bewundere, Herr Ohlenschläger, ist, dass Sie heute hier nicht anwesend sind beispielsweise als der Direktor eines großen Max-Planck-Institutes – eigentlich hätten Sie es ja verdient – oder als Direktor eines großen pharmazeutischen Konzerns. In einer Zeit, in der die wissenschaftlichen Tugenden der Vergangenheit nicht mehr so gefragt sind, in einer Zeit, in der das Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft auch nicht sonderlich gefragt ist, ist es wirklich eine Ehre, bestimmte Verdienstmedaillen nicht umgehängt bekommen zu haben.“ (Quelle: Aktuelle Standpunkte aus der Ganzheitsmedizin – Berichtsband zum Gerhard Ohlenschläger Symposium. Reglin, Köln 1996, S. 71)

Dr. Gerhard Ohlenschläger starb am 3. Juli 2008 an Herzversagen.

Wichtigste Buchveröffentlichungen

  • G. Ohlenschläger: Freie Radikale, oxidativer Streß und Antioxidantien. Krankheitsverursachende, präventive und reparative Prinzipien in lebenden Systemen. Reglin, Köln 1995/2000
  • G. Ohlenschläger, H. Dietl: Handbuch der Orthomolekularen Medizin. Prävention und Therapie durch körpereigene Substanzen. Haug, Stuttgart 1994/2001
  • G. Ohlenschläger: Schach dem Herzinfarkt. Promedico, Hamburg 1997/1999
  • G. Ohlenschläger: Wie entsteht Krebs? Reglin, Köln 1998
  • G. Ohlenschläger: Das Phänomen Krankheit. Reglin, Köln 1997
  • G. Ohlenschläger: Hat der Zelltod auch mehrere Gesichter? Reglin, Köln 1996
  • G. Ohlenschläger, K. Glagau: Vitalstoffe – Bausteine der Gesundheit. Haug, Heidelberg 1994
  • G. Ohlenschläger: Das Glutathionsystem – Ordnungs- und informationserhaltende Grundregulation lebender Systeme. Verlag für Medizin Fischer, Heidelberg 1991
  • G. Ohlenschläger, K. Lippmann, H. Stadtlaender: Lehrbuch der hämatogenen Oxydationstherapie – HOT. Haug, Heidelberg 1991
  • G. Ohlenschläger: Synopsis der Elektrophoresetechniken. G-I-T-Verlag Giebeler, Darmstadt 1980
  • G. Ohlenschläger: Reaktionsweise der Blutfaktoren – Agglutinogene und Agglutinine – bei verschiedenen Erkrankungen. Dissertation, Frankfurt 1960
   
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